Doula nach internationalen Standards
Was hinter unserem Zertifikat steckt, welche Standards gemeint sind und warum ich diesen Namen 2019 gewählt habe. Von Anita Wallow, Hebamme und Ausbildungsleitung der Doula-Akademie.
Wenn du auf der Website einer Doula liest „Doula nach internationalen Standards“, dann steckt dahinter mehr als ein schöner Titel. Es steckt eine Haltung dahinter, eine bestimmte Art zu arbeiten, und eine Geschichte, die mit meiner eigenen Geburt angefangen hat. Ich bin Anita Wallow, Hebamme, und ich habe diesen Begriff 2019 für das Zertifikat unserer Doula-Akademie gewählt. Hier erzähle ich dir, warum.
Warum „nach internationalen Standards“?
Doula ist in Deutschland kein geregelter Beruf. Es gibt keine staatliche Prüfung, kein geschütztes Berufsbild und keine verbindliche Definition, was eine Doula darf und was nicht. In anderen Ländern ist das anders. Dort haben Doula-Organisationen über Jahrzehnte Standards entwickelt, die genau festlegen, was eine Doula tut, wo ihre Grenzen liegen und woran sie sich ethisch bindet.
Ich habe meine eigene Doula-Ausbildung in den USA gemacht, beim International Doula Institute (IDI), und genau nach diesen Standards gearbeitet. Seitdem bin ich mit Doula-Gruppen und Hebammen in den USA, in Australien und in Asien im Austausch, und vieles, was dort seit Jahren selbstverständlich zur Doula-Arbeit gehört, war in Deutschland 2019 noch kaum bekannt.
Als wir unsere erste Ausbildungsgruppe begleiteten, haben wir gemeinsam mit den Teilnehmerinnen überlegt, wie unser Zertifikat heißen soll. Unser erster Name war zu nah an einem geschützten Begriff, und wir mussten ihn mitten in der laufenden Ausbildung ändern. Das war unangenehm, aber wir haben daraus gelernt, wie wichtig ein Name ist, der aus eigener Kraft trägt. Die Antwort lag eigentlich auf der Hand: Wir bilden genau das aus, was Doulas in anderen Ländern lernen. Also sollte das Zertifikat das auch sagen. Seitdem heißt es „Doula nach internationalen Standards“.
Was diese Standards konkret bedeuten
Sechs Dinge, auf die du dich bei einer Doula nach internationalen Standards verlassen kannst.
Kontinuierlich an deiner Seite
Sie begleitet dich in der Schwangerschaft, während der gesamten Geburt und im Wochenbett. Sie verlässt dich nicht, auch wenn die Geburt lange dauert.
Keine medizinischen Handlungen
Sie stellt keine Diagnosen und gibt keine medizinischen Ratschläge. Das ist Aufgabe der Hebammen und Ärztinnen. Die Doula ergänzt das Team, sie ersetzt es nicht.
Evidenzbasiert
Sie kann Studien einordnen und weiß, was eine Zahl im Aufklärungsgespräch bedeutet, etwa ob ein „doppelt so hohes Risiko“ von einem auf zwei Prozent steigt oder von zwanzig auf vierzig. So kannst du die richtigen Fragen stellen.
Deine Entscheidung zählt
Sie respektiert deine Entscheidungen, auch wenn sie selbst anders entscheiden würde. Sie hilft dir, informiert zu entscheiden, nicht für dich zu entscheiden.
Demut vor dem Team
Sie begegnet Hebammen, Ärztinnen und Klinikteams mit Respekt. Eine Doula, die gegen das Team arbeitet, schadet der Frau, die sie begleitet. Mir als Hebamme, die selbst Doula war, ist das der wichtigste Punkt.
Pragmatisch, nicht esoterisch
Was wir lehren, muss im Kreißsaal um drei Uhr nachts funktionieren. Rituale wie der Blessingway gehören trotzdem dazu, und jede Doula gestaltet sie so, wie es zu ihr passt, energetisch oder ganz bodenständig.
Dazu kommt eine klare ethische Bindung: Schweigepflicht, Transparenz über Leistungen und Honorare und die Verpflichtung, sich fortzubilden. Genau das lernen unsere Teilnehmerinnen in der Doula-Ausbildung, und genau darauf verpflichten sie sich mit unserem Kodex.
Wie es zu unserer Doula-Ausbildung kam
Ich war Bankkauffrau. Das klingt nach dem Gegenteil von Kreißsaal, und so war es auch. Nach dem Abitur wollte ich eigentlich Hebamme werden, aber man hat mir immer wieder gesagt, dass man als Hebamme mit einem Bein im Gefängnis stehe, und die nächste Hebammenschule war weit weg. Ich habe mich nach Sicherheit gesehnt und bin zur Sparkasse gegangen. Damit war das Thema für mich erledigt. Dachte ich.
2012 wurde unsere Tochter geboren, und diese Geburt hat mich geprägt wie nichts zuvor. Sie war alles andere als selbstbestimmt. Ich hatte einen Kaiserschnitt ohne angemessene Schmerztherapie, ich wusste nicht, welche Rechte ich hatte, ich wurde nicht gut behandelt, und ich hatte massive Stillprobleme, die dazu führten, dass ich nicht stillen konnte. Das alles habe ich lange mit mir allein ausgemacht.
Ich habe damals angefangen, als Mama-Bloggerin zu schreiben, und bin über diesen Weg zum ersten Mal auf Doulas gestoßen. In Trier gab es eine Doula, die ich für meinen Blog interviewen durfte. Ab diesem Gespräch war ich infiziert. Ich habe eine Ausbildung gesucht, die zu mir passt, und weil mir schon damals Pragmatismus und Evidenz wichtig waren, habe ich sie in den USA gemacht.
Meine ersten Familien habe ich ehrenamtlich begleitet. Ich habe mich geschämt, Geld für meine Arbeit zu nehmen. Das änderte sich mit meiner Ausbildung zur Postpartum-Doula, die mir die Augen geöffnet hat, und mit der Mütterpflege, über die ich als Haushaltshilfe mit den Krankenkassen abrechnen konnte. Von 2013 bis 2020 habe ich als Doula und Mütterpflegerin gearbeitet, mal hauptberuflich, mal nebenberuflich.
In dieser Zeit habe ich meinen Mann Deva kennengelernt, Familientherapeut, und gemeinsam haben wir einen großen Babyblog geleitet. Über diesen Blog erreichten uns Hunderte Geburtsberichte und noch mehr Fragen: Wie bereite ich mich besser vor? Wie finde ich jemanden, der bei mir bleibt? Und irgendwann die Frage von zwei Frauen, die meine Art zu arbeiten angesprochen hatte: Könnt ihr nicht selbst Doulas ausbilden?
So ist 2019 unsere erste Doula-Ausbildung entstanden, mit einer Gruppe von acht Frauen, an die wir bis heute mit großer Wärme denken. Sie haben uns als Team und als Ausbildungsinstitut mehr weiterentwickelt, als sie ahnen. 2020 kam die Mütterpflege-Ausbildung dazu. Seitdem bilden wir jedes Jahr Doulas und Mütterpflegerinnen aus, inzwischen über 900 Frauen.
Im selben Jahr habe ich mir dann doch noch den Wunsch erfüllt, den ich nach dem Abitur nicht hatte wagen wollen: Von 2020 bis 2024 habe ich Hebammenwissenschaft studiert. Seitdem fließt alles, was ich als Hebamme erlebe und lerne, in die Ausbildung ein. Unsere Teilnehmerinnen bekommen so beides, meine Erfahrung als Doula und Mütterpflegerin und meine heutige Perspektive als Hebamme, die im Kreißsaal die Verantwortung trägt. Zwei Geburten durfte ich inzwischen als Hebamme gemeinsam mit Doulas begleiten, die ich selbst ausgebildet habe. Das sind die Momente, in denen ich weiß, warum wir das machen.
Die ersten Stunden im Leben eines Kindes: dafür arbeiten wir, als Hebamme und als Doula.
Mein Examensbaby: die Geburt, mit der ich 2024 meine Hebammenprüfung abgeschlossen habe.
Was das für dich bedeutet
Wenn du eine Doula suchst
Eine Doula nach internationalen Standards der Doula-Akademie hat eine von der ZFU staatlich zugelassene Ausbildung durchlaufen, drei Geburten unter Mentoring begleitet und sich auf unseren Kodex verpflichtet.
Wenn du selbst Doula werden möchtest
Du lernst bei uns nicht nur Techniken, sondern eine Haltung, die international verstanden wird, und du bekommst ein Zertifikat, das genau diese Haltung benennt.
Häufige Fragen
Ist „Doula nach internationalen Standards“ ein geschützter Titel?
Nein. Wie „Doula“ selbst ist auch dieser Zusatz keine geschützte Bezeichnung. Was zählt, ist die Ausbildung dahinter. Frag eine Doula deshalb ruhig, wo sie ausgebildet wurde und was ihr Zertifikat beinhaltet. Unsere Absolventinnen können dir beides genau sagen.
Welche internationalen Standards sind gemeint?
Die Standards of Practice und der Code of Ethics internationaler Doula-Organisationen, wie sie in Nordamerika seit den 1990er-Jahren entwickelt wurden und wie ich sie in meiner eigenen Ausbildung gelernt habe. Wir haben sie für die deutsche Geburtshilfe angepasst, ohne ihren Kern zu verändern: kontinuierliche Begleitung, keine medizinischen Handlungen, evidenzbasierte Information, Respekt vor der Entscheidung der Frau und vor dem geburtshilflichen Team.
Seit wann vergibt die Doula-Akademie dieses Zertifikat?
Seit unserer ersten Ausbildungsgruppe 2019.
Wenn du Fragen zu unserem Zertifikat oder zur Ausbildung hast, schreib mir gern. Und wenn du eine unserer Doulas bist und diesen Text auf deiner Website verlinken möchtest, damit deine Familien nachlesen können, was hinter deinem Zertifikat steckt: Das freut mich sehr.
Autorin: Anita Wallow, Hebamme B.Sc., Ausbildungsleitung der Doula-Akademie. Stand: November 2026.


